Wahrscheinlich war es eh nur eine Frage der Zeit. Man muss einfach Verständniss dafür haben. Ich bin hier schließlich einsam und alleine! Da braucht Mann auch mal ein bisschen Ablenkung.
Letzten Donnerstag ist es also passiert.
Wie bitte? Nein, wo denkt Ihr hin? So ein Quatsch!
Ich habe mir eine Ski- Ausrüstung gekauft, darum geht es.
Ansich ist das in diesem Halbjahr nicht drin, aber ich kann nicht jedes Wochenende alleine Wandern gehen. Lange hatte ich hin und her überlegt, ob ich gleich mit Snow- Boarden anfangen soll. Die Preise für die Ausrüstung nehmen sich nichts √¢‚Ǩ‚Äú allerdings hätte ich mir hier für den Einstieg Unterricht leisten müssen. Ski- fahren dagegen kann ich doch, oder? Schließlich war ich vor 20 Jahren einmal 10 Tage auf Klassenreise in Tirol zum Ski- fahren, und dann sogar noch einmal für ein verlängertes Wochenende im Harz√¢‚Ǩ¬¶ das ist nur 15 Jahre her.
Was soll ich sagen, gestern, am Freitag, hatte ich etwas Angst vor meiner eigenen Courage√¢‚Ǩ¬¶ Ein fremdes Ski- Gebiet, ganz alleine und auf neuem Material: Carving- Ski √¢‚Ǩ‚Äú die gab’s damals noch nicht. Aber jetzt durfte nicht gekniffen werden. Das erste Problem stellte sich mir so dar: Wie komme ich vom Hotel in der Altstadt zu Lift? Da musste ich wohl oder übel durch: ca. 10 Minuten Fussweg in den Ski- Stiefeln; mir taten die Füße schon weh, als ich am Lift ankam. Egal, am Lift löste ich die verbilligte Karte für Einheimische
und stieg in die Gondel, die 45 Personen fast. Nach wenigen Minuten Wartezeit gings auch schon los, nahezu senkrecht nach oben auf ca. 1200m. Oben steigt man in eine kleinere Gondel um (vier Personen), die nicht ganz so steil, aber einen längeren Weg zurücklegt bis auf ca. 1500m.
Glück gehabt: Es lag noch Schnee! Die Stunde der Wahrheit rückte näher. Ich klemmte mir die Bretter unter die Füße und ließ mich den flachen Hügel herunter rutschen. Das fühlte sich ganz normal an. Der Hügel war also hinter mir, ich nicht gestürzt√¢‚Ǩ¬¶ aber wo ging es weiter? Rechter Hand stehen hübsche Häuser (von denen einige auch zu verkaufen sind, aber wie komme ich von hier oben zu Arbeit?), links ein schöner Ausblick ins Tal. Nirgens eine Piste, kein Lift. Aber alle stapften auf dem breiten Weg weiter. Nachdem ich mich mit einem Gemisch aus Ski- und Schlittschuh- Technik müde gekämpft hatte, schnallte ich die Skier nochmal ab.
Also weiter gelaufen – autsch, das tat weh! Hier sind die Snowboarder mit ihren weichen Boots zu beneiden. Endlich (keine fünf Minuten später) entdeckte ich ein Bergrestaurant und den Lift. Also Ski wieder untergschnallt und am Lift angestellt. Oh je, wusste ich noch, wie das ging? Ist schon peinlich, wenn man aus dem Lift fällt√¢‚Ǩ¬¶ √É≈ìber meine Sorge vergaß ich, dass man am Lift seinen Skipass in den Kartenleser stecken muss. An der Schleuse angekommen nestelte ich umständlich meine Karte aus der Tasche. Ohne die Stöcker kam ich aber nicht richtig durch das Drehkreuz √¢‚Ǩ‚Äú ein jämmerlicher Anblick muss sich den anderen geboten haben. Dafür hat die Auffahrt ohne (sichtbare) Zwischenfälle funktioniert! Ich hatte den Anker für mich alleine. Kurz vor Schluss fiel mir ein, dass ich ja irgendwie aus dem Lift raus musste. Ich tauschte hektisch die Stöcker von rechts nach links, schon kam das Ende des Lifts auf mich zu. Ops, die Stöcker müssen in die rechte Hand – egal wird schon irgendwie gehen. Es ging! Gut das es so leer war.
So stand ich nun vor meiner ersten Abfahrt. Man war das steil hier. Hatte ich die falsche Piste erwischt? Blau sollte doch leicht sein…
Es gab aber nur eine Piste nach unten. Na gut, Augen zu und durch. Ah, der erste Umsteigeschwung hatte funktioniert. Ich hatte mich richtig erinnert, wenn man quer zum Hang fährt, kann er so steil sein, wie er will. Schlimm ist nur der Moment, in dem man sich für die Kurve in die Tiefe stürzen muss.
Spannend: Man muss den Lift überqueren. Ich hatte Glück, es kamen gerade nicht soviele nach oben, so dass ich eine gro√جø¬Ωe Lücke erwischte und ohne Schwierigkeiten durchkam. Computerspieler sind hier eindeutig im Vorteil.
Ich hielt mich ganz links, da es hier nicht so steil war. Links war also der “blaue Teil” der Piste, rechts der rote. Allerdings mussten sie letztendlich doch das selbe Gefälle überwinden. Wenn meine jetzt also weniger steil war√¢‚Ǩ¬¶
Genau, vor mir tauchte hinter einer Kuppe das steilste Stück der Abfahrt auf √¢‚Ǩ‚Äú blau markiert. Hatte ich die Markierungen falsch im Kopf gehabt? Schwarz = tödlich für mich, rot = lieber ein andermal und blau = sollte gehen, ohne eine Krankenversicherung in Anspruch nehmen zu müssen. Da es leer war, konnte ich mich quer zum Hang durch das Stück kämpfen. Obwohl sich meine Skier des öfteren überkreuzt hatten und ich auch sonst nicht wirklich die Kontrolle innegehabt hatte, war ich noch nicht einmal gestürzt.
Um es abzukürzen: Es gab Abschnitte, da verdiente die Piste die blaue Markierung. √É‚Äìfter allerdings kam sie mit der roten zusammen. Und da hatte es mich auch prompt das erste Mal zerlegt. So richtig mit Ski verlieren etc. Das war beruhigend: Die Bindungen funktionierten, und waren korrekt eingestellt.
Die zweite Abfahrt verlief dann deutlich besser, woraufhin ich wagemutig wurde. Wenn ich die rote Piste hier fahren konnte, dann auch ganz oben.
Dazu steigt man nach dem Ankerlift, der bis auf ca. 1900m geht, noch in einen Sessellift. Mit dem geht es spektakulär am Berghang entlang auf 2.200m hinauf, rechts, 1.500 m unter einem schlängelt sich leuchtend blau der Rhein durch das Tal.
Tatsächlich war diese rote Piste noch ein bischen schwieriger, aber ich meisterte alles ohne Stürze √¢‚Ǩ‚Äú wenn auch mit vielen Pausen. Eine richtige Pause gönnte ich mir dann auch im Bergrestaurant unter strahlender Sonne bei einer Apfelsaftschorle.
Insgesamt bin ich dreimal an diesem Tag gestürzt, zweimal davon hat es mich richtig zerlegt. Aber alles ist heil. Natürlich tun mir die Knochen weh. Und rückblickend muss ich sagen, dass meine Aktion totaler Wahnsinn war: ohne Erfahrung mit neuem (und daher völlig unbekanntem) Material auf eine fremde Piste zu gehen, sollte niemand nachmachen!
Aber Spaß hat es gemacht
Liebe Grüße
Sven