Archiv für Mai 2007

Müüüdddeeee ;-) So ein Umzug ins Ausland im normalen Alltag unterzubringen, ist gar nicht so einfach. Normaler Alltag? Meine Familie und mich trennen 850 km, meine Frau ist praktisch alleinerziehend – nur um die Geldsorgen anderer alleinerziehender Mütter erleichtert und in dem Wissen, dass da jemand ein schönes Nest baut und die Zeit der Trennung endlich ist.
Zeitweilig war die Seite nicht erreichbar, da ich das System in die Schweiz umgezogen habe. Auch ein Grund warum mir die Zeit zum Schreiben fehlte. Nebenbei habe ich mit der tatkräftigen Hilfe meines Schwiegervaters einen schönen Fussboden in die neue Wohnung eingezogen.
Jetzt bin ich zu einem Seminar nach Potsdam gereist – eigentlich ein angenehmer Zufall, der allerdings zur Unzeit kommt. Da wir am Freitag mit dem Möbelwagen in die Schweiz fahren wollen, hätte ich mir lieber eine Woche Urlaub genommen. Stattdessen muss ich nun nebenbei Hochbetten abbauen ;-) .
Lustig, was für Probleme da auf einen zukommen, mit denen man nie gerechnet hätte. So habe ich z.B. in Deutschland kein Konto mehr. Ich hatte es vielleicht schon erwähnt: Die Santander Consumer hat mein Konto einfach geschlossen, als sie erfahren haben, dass wir in die Schweiz gehen. Sie waren nicht bereit, es bis zum Umzug bestehen zu lassen… Alle Daueraufträge wurden kostenpflichtig gestoppt, alle Einzugsermächtigungen ohne Vorwarnung zurück gebucht. Es sind uns dadurch Kosten von etwas über 120,- √¢‚Äö¬¨ entstanden, die die Santander Consumer Bank von meinem Konto abgezogen hat, und auf das dadurch erhöhte Minus auch noch Zinsen kassiert hat. Dazu kommen meine teuren √É≈ìberweisungen aus der Schweiz. Die Kundenberaterin der Santander Consumer Bank hat, als ich dort vorsprach, nur ungläubig auf meine Gehaltsabrechnung gesehen: “Ah, und das ist jetzt alles in Schweizer Franken… Wieviel ist das in Euro?” Ich antortete: “Der Kurs liegt zur Zeit ungefähr bei 1,60″ “Aha, also 1 Franken = 1,60 √¢‚Äö¬¨” Das wäre für mich der Punkt gewesen, das Konto zu kündigen. Ich schreibe es hier sicherheitshalber nochmal für alle hin, die ein privates Bankkonto brauchen: Die Bank heißt SANTANDER CONSUMER!
:D
Aber darauf wollte ich eigentlich gar nicht hinaus. Wir sind arg in die Klemme gekommen, weil das Umzugsunternehmen den Betrag am Tag der Abfahrt in Bar haben will. Ich habe hier kein Konto, in der Schweiz liegt die Maestro- Karte diese Woche wahrscheinlich im Briefkasten – man bekommt sie mit festem Wohnsitz…Wie organisiert man in Deutschland ohne Konto 4000,- √¢‚Äö¬¨??? Ich sah schon den vollen Möbelwagen nicht abfahren…
Das Problem wurde durch meine Tante Christel sehr unkompliziert beseitigt!
Ein anderes Problem beschäftigt mich aber noch stärker: Ich fühle mich sehr unwohl in Berlin. Da ich in Berlin übernachte, das Seminar aber in Potsdam stattfindet, habe ich jeden Tag eine gute Strecke mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück zu legen.
Das Gefühl ist schwer zu beschreiben. Loriot fragte einmal: “Genügt es, wenn ich mich auflöse?” Aber das ist es nicht. Es ist nicht so, dass man stört, auch nicht, als ob man nich da wäre.Es ist vielmehr sowas von scheißegal, ob man da ist, oder nicht, daß der berühmte Sack Reis in China als umschwärmter Promi durchgehen könnte.
Bevor ich gesehen habe, wie es anders laufen kann, habe ich es gar nicht wahrgenommen: Eine Bank in der U-Bahn, ein Platz frei, ein junger Mann sitzt mit übergeschlagenen Beinen da und sieht völlig unbewegt ins leere. Selbst ohne Walkman ist er der Welt weit entrückt. Dachte ich… als ich mich der Bank nähere, nimmt er sein übergeschlagenes Bein weg, so dass der Platz “benutzbar” wird. Aber für wen? Der Bahnhof scheint für ihn völlig leer zu sein. Nicht nur niemand da, der es Wert wäre, beachtet zu werden – auch keine Antimaterie – einfach nichts. Ich bedanke mich freundlich; genausogut hätte ich zu einer Wand “Danke sehr” sagen können. √É‚Äûhm, nein, das trifft es nicht. Von einer Wand wäre wenigstens ein Echo zurück gekommen… Ich habe mit dem absoluten Nichts gesprochen.
Dazu muss ich sagen, dass die Geste, das Bein ohne Anfrage wegzunehmen, für die Verhältnisse hier eine ausgezeichnete Höflichkeitsbekundung ist!
Mensch, Berliner, wacht auf!!! Ihr habt Nachbarn, Leute neben, vor und hinter Euch. Und wenn ihr sie mal anlächelt, wird diese dreckige, heruntergekommene, verwahrloste Stadt wenigestens durch ihre Einwohner nett. Nett sein lohnt sich selbst dann, wenn man den Gegenüber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wiedersieht. Es macht das Leben einfach schöner. Und ja, die Stadtreinigung macht Euren Dreck weg; aber bis sie kommt, bleibt er liegen.
Es hat den Anschein, dass die Tatsache, das hier alles an den Staat delegiert wird, die Menschen völlig ihres Verantwortungsgefühls füreinander beraubt.
So will ich momentan hier nur noch weg. Das macht mich sehr traurig!


Euer Sven

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