… bilden Kinder erste Dreiwort- Sätze: “Kächen muss tetämmt werden, doch sie will gerade nicht!” [Caroline am 28. Aug. 2008]
“Tie, da fliegt ein Buttatong über die Beage!” [Caroline am 30. Aug. 2008]
Für jeden, der des Linschen nicht mächtig ist: Sieh, da fliegt ein Luftballon über die Berge!
Wir hatten ein Kinderfest besucht; es gab Kinderschminken (hier haben Kinder Kinder geschminkt), Sackhüpfen, Eierlaufen, Büchsenwerfen, Riesenseifenblasen, Mäuserennen, Teebeutel- Zielwerfen, eine Hüpfburg, Instrumente basteln und, und, und. Ja, und außerdem wurden Karten an Luftballons gebunden und in den blauen Himmel geschickt.
Im Flachland sieht man sie ewig in die Ferne treiben – ich habe mich immer gefragt, ob sie steigen, und steigen, und dann irgendwann platzen. Dann müsste irgendwann eine Karte vom Himmel segeln.
Hier jedenfalls ist es spannend, zu beobachten, ob sie schnell genug steigen und dann über die Berge getrieben werden, oder ob sie am Hang hängen bleiben.
Am Abend dann sind Claudia und ich zum Jazz- Festival in Sargans gegangen. Ein befreundetes Paar hatte Karten und hat uns netterweise mitgenommen. Es war traumhaft: Verschiedenste locations in einer schönen Altstadt unter einer alten Burg, rot schimmernde Berge im Abendlicht, gute Weine und teilweise sehr gute Bands.
Anschließend haben wir noch einen “Absacker” im Casino zu uns genommen und sind reich geworden. Naja, ok, Reichtum ist relativ, der Inder am Roulette- Tisch spielte wohl jede Minute ums Zehn- bis Fünfzigfache, aber es hat gereicht, um Getränke und dann auch noch unseren Babysitter zu bezahlen – was braucht man mehr? Übrigens: ein Ferrari klingt in einer Tiefgarage richtig Scheiße!
Was sollen nur unsere Kinder von uns denken? Erst ziehen ihre Eltern durch die Kneipen, und landen dann in einer Spielhölle… Überhaupt sind dieser Generation alle Vorbilder abhanden gekommen. Zu meiner Zeit war das anders; ich kenne noch Geschichten mit Moral, ja, da weiss man: Baust Du Scheiße, kommt eine treusorgende Autorität und schneidet Dir mit einer großen Schere die Finger ab.
Ja, und noch weiter zurück konnten sich kleine Mädchen um ihre Versprechen herummogeln, indem sie sich heimlich fehlende Informationen verschaffen. Der so um seinen Gewinn betrogene hat so heftig mit dem Fuss aufgestampft, dass er im Boden versunken ist. Das Gute ist: Der war ganz klar der Böse, nicht die Betrügerin. Hm, erwartet z.B. ein jetzt überall durch wohltätige Stiftungsgründung im Land Liechtenstein bekannter Deutscher, dass wir vor Wut aufstampfen und dann im Boden versinken? Sorry, Klaus, Du hast in Deiner Kindheit die falschen Märchen gehört. Meine Generation würde jetzt eigentlich zur Treusorgenden-Autoritätsperson-Variante tendieren. Wobei – nein – die ganz alten Märchen wirken ja auch hier nach: Man benutzt illegale Informationen um rechtsstaatliche Ansprüche durchzusetzen.
Ist das nun meine Generation? Ich zumindest habe das mal anders gelernt. Danach würden Steuerhinterzieher mit einem anderen Ausdruck betitelt, damit sie nicht vor allen bloßgestellt werden. “Privatvermögensoptimierer” käme da z.B. in Frage. Anschließend bäte man sie eindrücklich aber freundlich darum, illegal erworbenes der Gemeinschaft zurück zu geben und reichte ihnen dann freundschaftlich die Hand, um sie wieder zu integrieren.
Und was wird aus der nächsten Generation? Kennt Ihr vielleicht das Kinderlied vom Hasen Augustin (”Augustin der flitzte…” “…und ass gern Rosenkohl.” und “seht mal wer da rennt, …”)? Na Super, ein Karnickel mit ADS, dass gerne Rosenkohl ist; so was hören die Kinder heute (und die geplagten Väter im Auto!) Wäre natürlich spassig, wenn die Kinder das Flitzen ernst nähmen. Z.B. die Beliebtheitswerte einer Partei steigen dann proportional mit der Anzahl der Flitzer, die sie in ihren Reihen vorweisen können. Stellt Euch mal vor, wenn wir dann mit klapperndem Gebiss (so wir uns dass nach den grossartigen Gesundheits- und Rentenreformen von Trulla und Tümpelhofer dann noch leisten können) – wenn wir also eher ohne Zähne vor dem Fernseher sitzen und den nächsten Wahlkampf verfolgen: Olympiade in Deutschland, und die Politiker rennen nackt durch das Stadion…
Gestern wurden wir gefragt: “Ihr bleibt also hier?!” Nun, solange wir den Schweizern nicht zur Last fallen und so freundlich akzeptiert werden, ist es ein Vergnügen, hier Steuern zu zahlen und die hiesige Wirtschaft anzukurbeln!
Ach ja, Charlotte hat sich im Kindergarten gut eingelebt und blüht gerade richtig auf! Als Hobby- Zukunftsforscher möchte ich daher mal eine gesicherte Prognose abgeben: Auch im nächsten Jahr kehren wir ganz sicher nicht nach Deutschland zurück!
Gruss
Sven
